Europa-League-Qualifikation, Play-off gegen den FK Sarajevo (2:3) am 28.08.2014

Die Party 2014/15 kann beginnen

Mit Apollon Limassol, dem FC Villarreal sowie den Schweizern vom FC Zürich stehen seit letztem Freitag die Euroleaque- Gegner unserer Borussia für die kommende Gruppenphase und die Reiseplanungen sind in vollem Gange. Dass man da hinkommt, schien von den Fans erwartet, doch nicht völlig planbar. “Um sich in der bosnischen Liga für die UEFA Europa League zu qualifizieren, braucht man Qualität”, erklärte Sportdirektor Max Eberl, als man jenes Los gegen die Bosnier im Vorfeld zog. FK belegte im letzten Spieljahr Platz 3 in der bosnischen Liga. Und das es nicht einfach werden würde, zeigte bereits der Auftritt im Hinspiel auf dem Balkan, als sich unsere Jungs zwar mit einem 3:2 durchsetzten, aber eben noch nicht alles komplett regelten. Wo bitte sollte das Problem liegen??? Sarajevo stand gegen uns in der eigenen dritten Quali- Runde. Die Balkankicker verloren in beiden Quali- Runden zuvor jeweils das Heimspiel, um dann auswärts doch noch den Sack zuzuschnüren (FK Sarajevo-FK Haugesund 0:1/3:1 sowie FK Sarajevo-Atromitos Athen 1:2/3:1 n.V.). Man war in Gladbach also gewarnt.

Was an diesem Tag aber passieren sollte, dass ahnten nicht einmal die knapp dreißig treuen Supporter, welche sich am 28.8. gegen 11 Uhr von Aken aus über Großkugel, dem Rasthof Bäumchen und der A 38 mit Stopp Autohof SGH aus in Bewegung in Richtung Niederrhein setzten. Die Jungs der Mission, die Ränzelstecher sowie die Starken Sachsen wurden Zeitzeuge eines legendären Gladbacher Fußballabends. 44.152 Zuschauer- unter ihnen eben auch die Treuesten aus Mitteldeutschland- sahen den höchste EC- Sieg (Euroleaque eingeschlossen) seit dem legendären 9:1 gegen IB Vestmannaeyjar am 3. Oktober 1973 (da war der Tag der Deutschen Einheit noch glatte 17 Jahre entfernt!!).

Aus Fiesta Mexicana wurde im Borussia- Park an jenem Donnerstagabend Fiesta Hrgota. Favre´s “Lieblingsschüler” und bisheriger Einwechsler vom Dienst scheint in diesem Jahr endlich vollständig zu zeigen, welch´ Knipserqualitäten in ihm stecken. Dazu passt es mit der Harnleiter- OP und dem damit verbundenen Ausfall von Kruses Maxe ganz gut, dass der Bosnier ausgerechnet gegen das Land seiner Geburt dreifach traf und damit den Hauptanteil am 7:0- Kantersieg trug. Jünter wiehrte durch die Lautsprecherboxen im Borussia- Park so oft, wie wohl selten zuvor.

Es gab unvergessliche Spiele wie 1971 das später wegen des Büchsenwurfs annulierte 7:1 gegen Inter Mailand oder das im Düsseldorfer Rheinstadion leider ohne Wert erzwungene 5:1 im Jahre 1985 gegen Real Madrid. Nun setzte unsere Borussia an jenem Donnerstagabend noch einen gewaltigen drauf. 20 Minuten hatten die Gladbacher vor 44.152 Zuschauern im Borussia-Park mit dem Außenseiter große Probleme, ehe Hahn den Startschuss für ein mega Offensiv- Feuerwerk gab. Der “Neue” vom FC Augsburg traf vom rechten Strafraumeck durch die Abwehrbeine hindurch und sorgte dabei im vierten Pflichtspiel zum dritten Mal für die Gladbacher Führung. Der Ball war nicht besonders hart getreten. Aber er trudelte platziert neben den langen Innenpfosten genau dorthin, wo er hin sollte. Das Tor war im 137. Europacupspiel der Vereinsgeschichte quasi der Büchsenöffner für die Borussia. Vier Minuten später setzte Granit Xhaka einen sehenswerten Schuss aus 25 Metern relativ zentral ins Tor des bosnischen Pokalsiegers. Die Riege guter deutscher Keeper- oder auch ein Bosnier namens Tomislav Piplica- hätte da wohl die Faust oder Finger dran gehabt. Aber gut so, denn man möchte dieses Tor in seiner Optik nicht schmälern. Dann aber schlug der schwedische Bosnier in Gladbachs Reihen, Branimir Hrgota, erstmals zu (34.). Der 21-Jährige, der gut 50 Kilometer von Sarajevo entfernt geboren worden war, vollendete einen lehrbuchmäßigen Konter über Raffael und Fabian Johnson. Nach einer derart souveränen Vorstellung hatte es zunächst gar nicht ausgesehen. Erst der 18-Meter-Schuss von Sevko Okic (7.), dann hatte Haris Duljevic (19.) nach einem feinen Solo die Riesenchance zur Führung der Gäste, beide Male war Yann Sommer da, was ihm nach seiner noch mißglückten Faustabwehr im Hinspiel doch zusehende Sicherheit verleihen sollte.

Während Weltmeister Christoph Kramer unverhofft in der Startformation stand und zehn Minuten nach Seitenwechsel aufgrund des Trainingsrückstands unter riesigem Beifall für Mahmoud Dahoud das Feld räumte, schien Borussias Torhunger nicht gestillt. Es sollte nahezu alles an diesem Abend klappen und alle Fans hoffen, dass dies in Liga, Pokal und speziell international so weitergehen wird.

Abermals Hrgota nach Auflage von Raffael (67.), Thorgan Hazard vom Punkt (74.) sowie- wie sollte es anders sein- nochmals Hrgota nach Johnsons Vorlage- machten das Torfestival in Grün- Weiß- Schwarz an diesem Abend perfekt und entschädigten damit auch die gelungenen 1.100 Kilometer der mitteldeutschen Fanfraktion…das macht klar Hunger auf mehr!!! Den Schlusspunkt setzte der technisch so begnadete Hazard in der Nachspielzeit. Was für ein irrer Kick mitten unter der Woche?!!

Zwischen sechs und sieben Uhr dockte das “mitteldeutsche Schiff” am Freitagmorgen dann wieder in den jeweiligen Heimathäfen an.

Tore Gladbach: 1:0 André Hahn (20.), 2:0 Xhaka (24.) , 3:0 Branimir Hrgota (34.) , 4:0 Branimir Hrgota (67.) , 5:0 Thorgan Hazard (74., Foulelfmeter), 6:0 Branimir Hrgota (82.) , 7:0 Hazard (90.+2)

Mönchengladbach: 1 Sommer – 19 Johnson, 39 Stranzl, 24 Jantschke, 15 Dominguez – 34 Xhaka, 23 Kramer – 28 Hahn, 27 Korb – 31 Hrgota, 11 Raffael. – Trainer: Favre

Sarajevo: 19 Bandovic – 23 Berberovic, 29 Dupovac, 14 Tatomirovic, 77 Puzigaca – 88 Radovac, 59 Cimirot – 17 Duljevic, 7 Stojcev, 9 Okic – 11 Velkoski. – Teamchef: Usuplic

Schiedsrichter: Wladislaw Besborodow (Russland)